Die “teilnehmende Beobachterin” über Gwen

SUJETS
Ich folge zunächst einmal den von Gwen selbst Aufgelisteten, um dann noch einige Bemerkungen aus der Sicht der teilnehmenden Beobachterin vorzunehmen.

Menschen, Körper und Portraits.
Emotionen, Gedanken, Zustände.
Mann und Frau und Kind.
Sehnsucht, Wahrheit, Krankheit.
Lust und Last.
Sex und Seele.
Beziehung und Trennung. Nähe und Abstand.
Gemeinsamkeit und Einsamkeit.
Politik des Geistes, Revolution des Bauches.

Ich möchte dem noch hinzufügen:

Traum und Realität.
Philosophie und Psychologie.
Künstlerische und zeitgeschichtliche Gestalten
Auto und kein Zug
Militanter Pazifismus

WERKAUSWAHL
Betrachtung, Charakterisierung, Interpretation im Kontext der ‚Sujets’

Farbtöne 1

Farbtöne 1 – Renate Boos

Bevor Sie hier weiterlesen, will ich mich vorstellen: Mein Name ist Renate Boos. Ich bin Psychologin und psychologische Psychotherapeutin im Ruhestand. Ich darf mich als Kunstverständige und Kunstkennerin bezeichnen ohne das Fach studiert zu haben oder selbst Bildende Kunst zu praktizieren. Aktiv ausübend bin ich in der Darstellenden Kunst, im Theater und in der Musik zuhause – auch da als Amateurin. Ich kenne Gwen seit ihrer Geburt, denn ich bin ihre Mutter. Ich bezeichne mich deshalb als „teilnehmende Beobachterin“, weil ich über die Jahre Gwens künstlerische Entwicklung beobachte und vor allem erlebe. Den Begriff „teilnehmende Beobachterin“ entlehne ich aus der Psychologie, in der es bei Feldstudien „den/die teilnehmende Beobachtung“ gibt, was letztlich bedeutet, dass ich also subjektiv, aber nicht unkritisch; verbunden, aber nicht befangen die folgenden Ausführungen darlege.

Stichwort „Originalität“ – Harold Bloom, ein amerikanischer Literaturwissenschaftler- und Kritiker hat stets auf „The anxiety of influence“ hingewiesen, mit welcher Dichter/Schriftsteller stets kämpfen, wie sehr sie sich auch um Originalität bemühen. Das gilt – so meine ich – für die Bildenden Künstler genauso. Sie sind „…der alten und unerbittlichen Frage des Wettkämpfers – ‚besser, schlechter als, ebenso gut wie – ausgesetzt…“ meint Bloom. Und es gibt natürlich auch die gesuchten und gewollten Vorbilder, wie es z.B. für Gwen der gefragte und bekannte Vertreter der Leipziger Schule Neo Rauch ist.
Aber lassen Sie uns doch die Sache mal umgekehrt angehen!

Zum Sujet Künstlerische und zeitgeschichtliche Gestalten

Pavarotti im Musikzimmer

Pavarotti im Musikzimmer

Ist das nicht toll, wenn eine Gegenwartskünstlerin mit einem inzwischen längst in die Kunstgeschichte als Berühmtheit eingegangene Persönlichkeit in ihrem Malstil verglichen wird? So geschehen mit Gwens Gemälde „Pavarotti“. (ca. 1996, unverkäuflich).
Es hängt im Musikzimmer und erfreut die Besitzerin jedes Mal, wenn sie am Flügel sitzt und zu diesem mehr als kritischen Zuhörer ‚Pavarotti’ blickt. Der Humor, der Hintersinn, der in der Darstellung dieses weltberühmten Tenors steckt… und wie er sich erst recht die Ohren zu hält, wenn noch 2 Damen mit der Querflöte alle paar Wochen in besagtem Musikzimmer Kammermusik machen. Als das Bild neu dort hing, kam eine der Flötendamen herein, entdeckte das Bild und fragte absolut staunend: „Sag bloß, Du hast einen Beckmann?!“ „Nein, das Bild ist gemalt von Gwen.“
Ja, schauen Sie nur hin – das hat was von Max Beckmann!
„Beckmann wurde als führender Maler des Expressionismus bezeichnet, was aber gar nicht im Sinne des Künstlers war, der solch eine Zuordnung als einschränkende Charakterisierung empfand […]“ (“Kindlers Malerei-Lexikon”, dtv).
Ha, da haben wir es wieder, das Aufbegehren gegen eine Einordnung, gegen den Vergleich.
Doch diesen Vergleich braucht die damals 24-jährige Künstlerin nicht zu scheuen.
Dieser Pavarotti führt eine Reihe von gelungenen Portraits an, die teilweise als Auftragsarbeiten an Privatpersonen geschaffen wurden, aber auch in einen bestimmten Kontext gehören (z.B. Bildserie „Farbtöne“) oder aber bekannte Persönlichkeiten (z.B. Angela Merkel). Eine Person der Zeitgeschichte ist auch Altkanzler Schröder (in Gwens Bild auf dem Bobbycar) – das führt zum:

Politik des Geistes, Revolution des Bauches

Diese Formulierung stammt von der Künstlerin Gwen selbst. Ich bin mir nicht sicher, wie die Künstlerin diese Aussage – einer These gleich an die Wand geworfen – verstanden wissen will. Sie fordert jedenfalls heraus, sich an ihr abzuarbeiten.
Ich weiß also nicht, ob dieser – gewiss sehr spontan geäußerte – Aphorismus von ihr so weitreichend gemeint ist, wie es in den folgenden Ausführungen dargelegt wird.
Ich verbinde mit diesem Sujet etwas ganz Zentrales, das in den Bildern von Gwen steckt. Ich behaupte sogar, dass sie viel Politik in sich bergen, die man mit dem ersten Blick vielleicht nicht wahr nimmt. Ich sehe einen Zusammenhang mit einem weiteren von mir hinzugefügten Thema, das auf Gwens Bildinhalte bezogen ist, nämlich:

Militanter Pazifismus

Treffender als in dem berühmt gewordenen Briefwechsel zwischen Albert Einstein und Sigmund Freud „Warum Krieg?“ kann das nicht beschrieben werden: Albert Einstein bezieht sich zunächst auf Benjamin Franklin, der gesagt hat: „Es hat niemals einen guten Krieg und niemals einen schlechten Frieden gegeben.“ und Einstein: „Ich bin militanter Pazifist. Ich will für den Frieden kämpfen“
An Freud schreibt er 1932 u.a. : „[…] Gibt es eine Möglichkeit, die psychische Entwicklung der Menschen so zu leiten, dass sie den Psychosen des Hasses und des Vernichtens gegenüber widerstandsfähiger werden? […] Ich bin mir dessen bewusst, dass die menschliche Aggressivität sich auch in anderen Formen […] betätigt. Ich habe aber bewusst die repräsentativste und unheilvollste Form des Konfliktes unter menschlichen Gemeinschaften, den Krieg , hervorgehoben […]“
Freud antwortet in einer langen Abhandlung über seine Theorie von Eros und Thanatos, als einander bedingende und zum Menschsein gehörende Triebe […] Er geht auf die lebenserhaltende und die zerstörerische Aggression ein […] und kommt dann zu dem Schluss: „Und zwar scheint es, dass die ästhetischen Erniedrigungen des Krieges nicht viel weniger Anteil an unserer Auflehnung haben als seine Grausamkeiten. Wie lange müssen wir nun warten, bis auch die Anderen Pazifisten werden? Es ist nicht zu sagen, aber vielleicht ist es keine utopische Hoffnung, dass der Einfluss dieser beiden Momente, der kulturellen Einstellung und der berechtigten Angst vor den Wirkungen eines Zukunftskrieges dem Kriegführen in absehbarer Zeit ein Ende setzen wird. Auf welchen Wegen oder Umwegen, können wir nicht erraten. Unterdes dürfen wir uns sagen: Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg.„ (Zitat aus „Warum Krieg“, dtv 1972)

Heute, im Jahre 2015, ist der Satz über die Kulturentwicklung ebenso wahr wie damals, aber wir wissen leider, wie utopisch tatsächlich diese Hoffnung geblieben ist. Und wie immer noch und in einem nie geahnten Ausmaß Kriege im Namen der Religionen geführt werden.

Was hat das nun alles mit Gwen und ihrer Kunst zu tun?

Unvergessen Gwens theatrale Handpuppen-Darbietung der „Ringparabel“ aus „Nathan der Weise“ von G.E. Lessing. Ja dieser Aufklärer hat es Gwen schon seit der Schulzeit angetan. „Emilia Galotti“ ist ein weiteres Theaterstück, in dem alltägliche Menschen, „Bürger“ für ihre eigenen Handlungen verantwortlich sind. Nicht ein unabwendbares Schicksal führt sie ins Verderben, sondern ihre eigenen Entscheidungen geben den Ausschlag, die den wirklichen Gegebenheiten zu wenig gerecht werden.

Ich behaupte: Gwen ist der Pazifismus, nein, ihr „militanter Pazifismus“ gewissermaßen in die Wiege gelegt worden. Und ein Teil ihrer Bilder rückt genau das ins Licht, was Krieg mit dem Individuum anrichtet. Ihre „Politik des Geistes“ kommt nicht vom Zeitung lesen oder Nachrichten des Weltgeschehens verfolgen. Politische Themen scheinen eher intuitiv von ihr erfasst zu werden und unterschwellig in ihr zu rumoren – Revolution des Bauches. Ein inneres Wissen von Macht und Zerstörung ist bei ihr da und mit einem Mal schafft sie Bilder wie „Krieg“, „Ich erinnere mich“ etc. Oder das Bild mit Schröder auf dem Bobbycar, das mit Humor und „Hintersinn“ und fast liebevoll einen Vertreter der Macht auf’s Korn nimmt. (Damals ahnte man noch nicht, das eben der ‚Bobbycar’ ein Detail von vielen sein wird, das einen Bundespräsidenten zum Rücktritt zwingt).
Subtil verwirklicht auch im Portrait von Angela Merkel – zwei Gesichter: Kohls Mädchen versus die mächtigste Frau Europas.

Kommen wir zum Sujet Auto und kein Zug

Als noch längst nicht autofanatische Männer in Gwens Leben traten, galt ihr Faible dem Auto. Kaum den Führerschein in der Tasche, wurde mit dem im Ferienjob verdientem Geld ein alter Opel Kadett angeschafft. Später dann der Opel Commodore mit roten Sitzen – der, wo immer sie vorfuhr, mindestens 2-3 ältere Herren auf den Plan riefen, die anerkennend und sehnsüchtig das Auto umschlichen und fachmännische Fragen stellten. Jüngst erst schweren Herzens, jedoch der Vernunft gehorchend verkauft. Aber Gott sei Dank: er ist ja von ihr festgehalten im Bild.

Und warum „kein Zug“? – Das ist natürlich eine Überspitzung. Im Alltag setzt sich Gwen – wenn’s sein muss – schon in einen Zug und das ebenso ungern wie in ein Flugzeug.
Vor längerer Zeit schon hat Gwen mir gegenüber geäußert: „Ich muss bei Zügen immer an die Deportationen der Juden in die Konzentrationslager denken.“

Wir schreiben Januar 2015 und in fünf Tagen gedenkt man der Befreiung der Juden von Auschwitz vor 70 Jahren. Gwen gehört zu den „Kriegsenkeln“. Sie ist aufgewachsen mit Eltern, die eher eine Überdosis NS-Geschichte in Schule und Studium bekommen haben; die eher der 68er Generation angehören und sich gegen die verleugnende oder schweigende Haltung ihrer Eltern gegenüber den Grauen des Holocausts aufgelehnt haben. Wiewohl also eine wache und kritische Haltung zur deutschen Geschichte vermittelt wurde, so ist es vielleicht doch die Trauer um solches Geschehen und vor allem die Bildgewalt, die unausgesprochen und tief drin die Revolution des Bauches hervorruft. Ich bin überzeugt davon, dass diese inneren Bilder so manchen Entwurf zu Gwens Bildern begleiten und beeinflussen.

Der Begriff „Kriegsenkel“ ist dem Buch von Sabine Bode „Kriegsenkel – Die Erben der vergessenen Generation“ (Klett-Cotta 2009) entnommen. Zu der vergessenen Generation zählt sie die ‚Kriegskinder’, also die Eltern der heute 40-50-jährigen. Wie man aus vielen Studien weiß, sind es ja oft erst die Enkel, die ihre Großeltern fragen „ wie war das damals?“ Und wie sich Traumata transgenerational fortsetzen oder auswirken können, darüber weiß man heute sehr viel mehr. Dieses Forschungsgebiet hat mich schon zu Berufszeiten bewegt und es interessiert und beschäftigt mich nach wie vor. Es ist auch der Grund, warum diese sehr persönliche Eröffnung von Gwen mich veranlasste, das Sujet „Auto und kein Zug“ als weiteres hinzu zu fügen. Meine subjektive Erfahrung hat ihre Bestätigung in der Untersuchung von Sabine Bode über „Kriegsenkel“ gefunden.

Ich bin mir dabei der Gefahr bewusst, als Rezensentin, Kritikerin und „teilnehmende Beobachterin“ etwas überzustülpen, was die Künstlerin womöglich gar nicht intendiert hat. Diese Gefahr ist immer gegeben, aber damit müssen die Künstlerin selbst und die anderen Betrachter und Leser leben. Ihnen mögen vielleicht ganz andere Assoziationen einfallen. Aber ist das nicht die schöne Quintessenz, die wir aus der Kunst, von Kunstschaffenden geschenkt bekommen? Oder wie Georg Kreisler sagt: „Kunst soll nicht verstanden werden wie ein Wintermantel, Kunst soll erlebt werden, und erst dann versteht man sie.“ ( „Letzte Lieder“, Arche Verlag, Hamburg 2009)

Deshalb komme ich nun zur Mehrzahl der Bilder von Gwen mit den Sujets

Menschen, Körper und Portraits. Mann und Frau und Kind. Beziehung und Trennung. Einsamkeit und Gemeinsamkeit. Traum und Realität.

Um mit der Portrait-Malerei zu beginnen: Sie hat eine lange altehrwürdige Geschichte. In der Renaissancezeit erlebte sie ihre Blüte und in späteren Jahrhunderten wurden dann Auftragsarbeiten immer populärer. In der Gegenwartskunst spielen sie nicht mehr so eine große Rolle. Die Fotografie ist zum großen Teil an ihre Stelle getreten. Fotos sind es auch, die Gwen für ihre Portraits benützt und wenn es sich um eine Auftragsarbeit handelt, erfragt sie entsprechend die Lebensumstände etc.

Portraits würdigen die Individualität einer Person. In der Manier, in der sie gemalt sind, spiegeln sie auch und gerade die Sicht der Künstlerin auf die Person wieder.
Die Körperlichkeit, das Sinnliche, Sexuelle, aber auch das Morbide, Vergängliche, Verletzliche, Tödliche wird in den Bildern von Gwen eingefangen. Die Elemente, in denen sich Körper bewegen – im Wasser die Nixe, die aber männlich ist und wie unter dem Vergrößerungsglas als einzelnes Spermium im Strom der Vielen seinen Weg sucht („Smells like sperm spirit“)

"Smells like sperm spirit", Acryl auf Leinwand

Smells like sperm spirit

In der Luft der Vogel – von der Traumsymbolik hat er die Bedeutung des Spirituellen, der Phantasie. Ein grün-bunter Papagei, ein Paradiesvogel sitzt auf dem erigierten Penis eines gut gebauten männlichen Torsos (“Cuba libre”) – na klar, man darf ruhig ans Vögeln denken! Es wird aber ebenso die männliche Macht, der Macho gezeigt. Bei Gwen nicht in verurteilender Weise eines radikalen Feminismus, nein, der Macho ist auch schön anzusehen und gibt dem Betrachter eine lustvolle Anmutung.

Gute Reise - Acryl auf Leinwand

Gute Reise

Und dann gibt es Bilder zu Leiden, Suizid, Tod – Der schwarze Todesvogel in dem Bild (“Gute Reise”) – weist auf die schmerzliche Erfahrung viel zu frühen Todes von geliebten Menschen hin – Biographisches geht in das Bild mit ein. Körper, Münder, Tier-Mensch-Wesen ineinander verschmolzen. Gestalten, und Figuren zerfließend oder ganz exakt in ihrer Bewegung festgehalten. „Familiensituation“ in seiner vermeintlichen Idylle – stets in großer Farbigkeit und Eindringlichkeit.

Die Malerin Cornelia Schleime hat in einem Interview auf die Frage, ob sie im Malprozess zu einer Art Ruhe und Ausgeglichenheit fände, geantwortet:
„Mit dem Malprozess finde ich zu mir selber […] Das heißt, beim Malen dringe ich zu meinem eigentlichen Wesen vor […] Das Leben in der Gesellschaft zwingt mir permanent Reaktionen ab, und nur wenn ich male, muss ich nicht reagieren, das heißt, ich muss mich nur auf mich selbst konzentrieren. Deshalb brauche ich dieses Malen. Ich folge einer inneren Sehnsucht nach etwas, von dem ich selbst nicht weiß, wie es aussieht, das in der Arbeit aber Gestalt annimmt.“ Ich stelle mir vor, dass Gwen sich in einer solchen Beschreibung auch wieder finden kann.

Als Résumé noch zwei Aussagen, die scheinbar im Gegensatz zueinander stehen, die aber im Laufe meiner teilnehmenden Betrachtung von Gwens Kunst beide miteinander oder unabhängig voneinander ihren Platz einnehmen können.

Die Eine ist von Joseph Beuys: „Die Verwirklichung der Demokratie ist die primäre Aufgabe der Kunst in der Gesellschaft.“
Die Andere habe ich von der Sängerin Annette Humpe gelesen (ZEIT Magazin vom 15.01.2015 Nr. 3) „In der Kunst glaube ich nicht an Demokratie“ – Sie bezieht es darauf, dass in einer Band einfach ab und zu nur Eine das Sagen hat.

Bezogen auf die Bildende Kunst: Künstler können, müssen, wollen und dürfen sich nicht nach Mehrheiten richten. Ihr absolutistischer Einfall, ihr Gedanke, ihre Umsetzung bestimmt das Schaffen. Indem aber Kunst und die Künstler der Gesellschaft etwas zeigen, ihre Werke ausstellen, sie betrachten lassen wollen, Befindlichkeiten in der Gesellschaft widerspiegeln kommen sie wiederum dieser von Beuys postulierten Aufgabe nach. Nicht, weil es ihnen jemand aufoktroyiert, nein, weil es ihnen ein Bedürfnis ist.

Und noch einmal Beuys: „Kunst kommt von Kunde, man muss etwas zu sagen haben, aber auf der anderen Seite auch von Können, man muss es auch sagen können.“
„Jeder darf sich versuchen“ meint Beuys „Kunst geht uns alle an“. Ist also jeder ein Künstler? Oder was macht den Künstler zum Künstler?

Zum einen die handwerkliche Meisterschaft, zum anderen die individuelle Art der Formgebung, die eigene Formensprache, der eigene Stil. Und das Kunstwerk muss eine Ausstrahlung haben. Jeder, der sich damit beschäftigt, muss etwas empfinden, das Werk muss einen Eindruck hinterlassen, völlig egal, ob dieser Eindruck positiver oder negativer Natur ist. Eine eindrucksvolle Beschreibung, was es heißt, Künstler zu sein, fand ich bei Thomas Hirschhorn, einem Schweizer Installationskünstler, der in Paris lebt. Er sagt: „Ich verstehe Kunst als ein Werkzeug, die Welt kennen zu lernen, mich mit der Wirklichkeit zu konfrontieren und in der Zeit zu leben in der ich bin. Ich frage mich immer: Hat meine Arbeit die Fähigkeit ein Ereignis zu erzeugen? Kann ich mit meiner Arbeit jemandem begegnen? Und schaffe ich es durch meine Arbeit etwas kennen zu lernen? Oder kann durch meine Arbeit etwas kennen gelernt werden? Deshalb muss ich mit dem mich Umgebenden arbeiten, mit dem was ich kenne und was mich betrifft. Meine Arbeit muss der Ort für Dialog oder für Konfrontation sein.“ (Podiumsgespräch „Kunst und Demokratie“, Lübeck 2013, Lilo Schlösser – Internet)

Die teilnehmende Betrachtung der Kunst von Gwen findet hiermit ihr vorläufiges Ende. Vorläufig? Aber gewiss doch – Gwens Malprozess ist doch ständig im Gange!

22. Januar 2015, Renate Boos

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